Wie entwickelt sich Kauen und Schlucken bei Kindern?
Welche Schluckprobleme können bei Kindern auftreten?
Mein Kind verweigert feste Nahrung – was kann dahinterstecken?
Was ist eine myofunktionelle Störung?
Was haben Zunge, Schlucken und Zahnstellung miteinander zu tun?

Wie entwickelt sich Kauen und Schlucken bei Kindern?
Essen lernen und Sprechen lernen gehört zusammen! Beides entwickelt sich zeitgleich und betrifft die gleichen Strukturen: Mund- und Gesichtsmuskulatur, Abbau von frühkindlichen Reflexen, Sensibilität, Eigenwahrnehmung, Entdeckergeist, Schluckmuster. Schon der Fötus im Mutterleib nutzt seine Mundmuskulatur um Fruchtwasser zu schlucken, oder am Daumen zu nuckeln. Eine intakte Muskulatur und dem Alter zugehörige Reflexe setzen voraus, dass der Trinkakt im Säuglingsalter ungehindert von statten geht. Zieht sich der anfangs weit auf der Zunge vorn sitzende Würgereflex nach hinten, ist das Kind in der Lage, festere Nahrung mit Spaß aufzunehmen. Durch ein immer großeres Angebot von Nahrung, andere Konsistenzen als anfangs Flüssigkeiten (Muttermilch, Premilch, Brei) lernt der ganze Nerven- und Muskelapparat sich weiterzuentwickeln. Mit Entwicklung der ersten Zähne folgt ein (Ab-)Beißen, später Kauen. Auch im Erwachsenenalter ist das Kauen noch gern mal ein Thema: Menschen nehmen sich immer weniger Zeit zum Kauen, haben weniger Sättigungsgefühl, oder leiden unter vermehrtem Aufstoßen.
Welche Schluckprobleme können bei Kindern auftreten?
Es gibt viele Gründe, warum das Essen lernen schwieriger läuft als es normalerweise sollte. Ich kann bis zu einem gewissen Grad beratend tätig sein (am Besten das Kennenlerngespräch buchen, dann klären wir, inwieweit ich helfen kann)- empfehle aber auch gern eine ganz tolle Kollegin weiter, die Stillberaterin UND Logopädin ist und dadurch nochmal einen erweiterten Blick hat.
Bei Kindern können sich schon Essproblematiken zeigen, wie das Verweigern von fester Nahrung, häufiges Verschlucken oder sogar Erbrechen. Essprobleme können schon im kleinsten Säuglingsalter auftreten und werden dann Fütterstörungen genannt.
Zudem haben Kinder- gerade im Kitaalter- gerne mal einen offen stehenden Mund. Ein ständig offener Mund kann die komplette Kiefer- und Gesichtsmuskulatur nachhaltig beeinflussen. Zudem erleichtert es die nicht erwünschte Mundatmung. Atmen Kinder viel durch den Mund und nicht durch die Nase, hat dies viele Infektionen, ein autrocknen der Mundschleimhäute und Sensibilitätsstörungen zur Folge.
Im Kinder- und Teeniealter gibt es häufiger die „Zahnspangen-Problematik“. Das Kind/Teen soll eine Zahnspange bekommen, der Kieferorthopäde hat schon gesagt, dass eine „myofunktionelle Störung“ oder ähnliches vorliegt? Dann seid ihr bei mir genau richtig. Zur Unterstützung, oder auch zur Vermeidung einer festen Zahnspange können bestimmte Übungen und die Stärkung der (intra-)oralen Muskulatur beitragen.
Mein Kind verweigert feste Nahrung – was kann dahinterstecken?
Der Umschwung der monatelang gewohnten flüssigen Nahrung auf festere Konsistenzen kann eine Herausforderung darstellen. Einmal hatte ich einen 3-jährigen, der nur Joghurt und Wackelpudding gegessen hat. Hier gilt es, das Störungsbild fachlich abklären zu lassen- am besten bei einer Logopädin. In einigen Fällen kann es dann noch sinnvoll sein, einen HNO-Arzt oder einen Psychiater hinzuzuziehen. Denn die Problematik hat oft mehrere Aspekte, die behandelt werden sollten. Wenn das Kind zu Hause nicht richtig isst, erzeugt das gern mal Streß. Es wird bestochen, gemaßregelt, es wird nur noch nach dem Wunsch des Kindes gekocht, oder jahrelang gibts dann doch noch die Milchflasche, obwohl das Kind schon eigentlich in der Lage sein müsste, normal mit zu essen. Dahinterstecken kann immer auch anerlerntes Verhalten sein (wenn die Eltern nie in den harten Apfel beißen, warum sollte es das Kind tun?), oder eine ganz individuelle Sensibilitätsstörung. Auch kann der gesamte oder Teile des Ablaufs der Nahrungsaufnahme beeinträchtigt sein. Hier bitte nicht zu lange warten und frühzeitig Kontakt zu Kinderarzt, HNO-Medizin, oder Logopädie aufnehmen.
Was ist eine myofunktionelle Störung?
„Myo“ leitet sich aus dem altgriechischen ab und meint Muskel. Funktionell beschreibt die Funktion- also ist das Zusammenspiel von einzelnen Muskeln zueinander, oder die Arbeitsmöglichkeit des Einzelnen beeinträchtigt. Die Muskeln können nicht, oder schlechter ihre eigentliche Funktion ausführen. In der Sprach-und Sprechtherapie ist hiermit der Muskelbereich im Gesicht, im Mundraum und am Kiefer gemeint.
Das beheben der Ursache für den Erhalt einer Zahnspange macht doch Sinn, damit die Kiefer- und Zahnstruktur auch als Erwachsener nicht beeinträchtigt wird, oder?
Was haben Zunge, Schlucken und Zahnstellung miteinander zu tun?
Die Zunge ist zwar klein, gehört aber zu den stärksten Muskeln im menschlichen Körper. Stößt sie beim Schlucken an die Zähne, ist die in der Lage diese zu verschieben. Dies ist gern mal Ursache für Zahnpositionsprobleme. Die Zunge bewegt sich nicht nur beim Essen im Mund, sondern auch wenn wir z.B. Speichel abschlucken, oder Essensreste aus den Wangentaschen holen wollen. Ist die Zunge sehr schwach, oder kann sich aus anderen Gründen nicht gut zielgerichtet bewegen, fällt die Nahrungsaufnahme gern mal schwer. Probleme wie verschobene Zähne, offene Mundhaltung, viel Speicheln, mangelnde Mundhygiene, verschlucken beim Essen, verweigerte Nahrungsaufnahme, Mangelernährung beim Säugling, verordnete Sondenkost und Ausspracheproblematiken wie das Lispeln hängen mit der Zunge und den Muskeln drumherum zusammen.
