
Late Talker ist der englische Begriff für „Spätsprecher“. Um beim Aufwachsen als „Late Talker“ bezeichnet zu werden und die dementsprechend angepasste Hilfe zu bekommen, gibt es patholinguistisch standartisierte Kriterien. Nicht jedes Kind, dass einfach spät spricht ist ein Late-Talker.
Gerade die älteren Generationen haben öfters mal den Spruch „ach das verwächst sich noch, ich war ja auch eher spät dran damals“ oder ähnliche gehört. Doch wann ist „spät“? Was wenn es sich eben nicht verwächst? Darauf gehe ich gerne in diesem Blogpost ein, inklusive einigen Tipps und Tricks am Ende, mit denen Sie Ihr Kind schon direkt fördern können.
Woran erkenne ich einen Late Talker?
Eine der Kernregeln bei Sprachtherapeuten und Kinderärzten ist: Spricht das Kind mit 24 Monaten (2Jahre) schon 50 Wörter? Mit Sprechen ist hier ganz klar das laute Äußern seitens des Kindes gemeint.
Was zählt bei Kleinkindern eigentlich als Wort?
Ein Wort darf dabei auch verändert sein- wie z.B. wauwau statt Hund. Wenn das kleine Kind aber wochenlang konsequent beim Anblick eines Hundes eben „wauwau“ sagt, ist es als „Wort“ abgespeichert, auch wenn es noch nicht unseren Maßstäben eines Vokabulars enstpricht.
Ein Wort kann hier also als konsequent abgespeicherte Lautreihenfolge auf z.B einer Liste (siehe Tipps) vermerkt werden.
Ist das Kind über 24 Monate und spricht z.B. nur 3 Wörter, lohnt es sich mal nachschauen zu lassen. Spricht es mit 2 Jahren 20 Wörter? Nicht gleich ein Grund in Panik zu verfallen.
Wann sollte ich mein Kind untersuchen lassen?
Komme ich also zum gut gemeinten Spuch mit „es verwächst sich noch“. Damit ist gemeint, dass mehr Zeit schon alles heilen wird. In vielen Fällen, bei leichten Entwicklungsrückständen, ist es nicht nötig gleich eine Sprachheilkur zu beantragen 😉
ABER- es ist mittlerweile bewiesen, dass Sprachentwicklungsverzögerungen sich eben nur oberflächlich verwachsen. Das Risiko der Verschiebung einer- wenn vorhanden- Sprachentwicklungsstörung ist groß. So spricht das Kind nun also doch irgendwann… fängt dann aber spätestens im Grundschulalter an, wieder auffällig zu werden. Da wären dann Wortarmut, Wortabrufprobleme, Leselern- und Rechtschreibproblematiken.
Ich bin eine große Verfechterin des möglichst frühen Beginns einer Sprachförderung oder Sprachtherapie. Denn es geht ja auch um Bindung von Eltern und Kind, die flöten geht, wenn das Kind etwas sagen will, ihm die Worte aber fehlen. Wenn Mama oder Papa für das Kind sprechen müssen. Wenn das Kind abgestempelt wird als „schüchtern“- obwohl ihm einfach die Worte fehlen.
Ich habe viele Eltern kennengelernt, die extrem gestresst waren, wenn ihr 2,5 J. oder 3J. altes Kind nicht gesprochen hat- denn dann sehen die Kinder auch für andere Menschen schon so aus, als „müssten sie es doch langsam mal können“. Und es wird sich- leider Gottes- doch immer noch sehr verglichen unter den Eltern. Da heißt es: meine kann jetzt das und das. In der U. Untersuchung beim Arzt wird der Sprachstand erfragt und es erzeugt zu Hause oft hohen emotionalen Stress für das Kind wenn es nicht sagen kann was es möchte. Viele Mamas waren einfach monatelang sehr besorgt, bis hin zu Selbstvorwürfen. Also: lieber einmal ein paar Minuten einen professionellen Blick auf eure Situation nutzen und sich viele Probleme und Streß sparen.
Wie kann ich mein Kind zu Hause beim Sprechen lernen unterstützen?
Hier meine Tipps für zu Hause:
- schreibt eine Liste, alles was fest abgespeichert wurde wird als 1 Wort gezählt
- überlegt, was momentan schwierig bei euch ist, oder was sich verbessern würde, wenn das Kind mehr oder überhaupt sprechen könnte
- Lest zusammen Bücher! Ja kleine Kinder blättern gern um, egal! Zeig auf 1 Bild und benenne es (z.B. Ente).
- Zeige dem Kind dieses Wort auch im echten Leben (z.B am See die Ente)
- Schaue dein Kind an (Augenkontakt), wenn du mit ihm sprichst
- Singt, Reimt, macht „Hoppe, hoppe Reiter“ oder Fingerspiele
- Sprecht nicht permanent auf das Kind ein (habe ich extrem oft gesehen!) In der Ruhe liegt die Kraft.
